Gedicht des Tages

Montag, 6. Dezember 2021
Strandgut achten
Während die Zeit zurückfließt und zwischen Wasser
und verlassenen Strandkörben stehen bleibt,
streifst Du in verflossenen Jahren umher
und belächelst gleichzeitig die Bilder,
die sich wie kleine Sandburgen auftürmen,
mit spöttischem Gesicht.

Als sich die Brandung Gischt schäumend
ins Meer zurückzieht und zeitnah sich
Erinnerungsflut in mundgerechte Stücke teilt,
beißt sich Ungeklärtes in Dir fest und quält.
Ich schätze Dich erschreckt, wie viele Lügen
täuschend echt und dennoch Sehtand sind.

Mit Licht abwehrendem Blinzelblick
tastend nach irgendwo in eine Zeit
bevor Du aufgebrochen bist
bis an den Strand hier
durchläufst Du die Gezeiten.

Indem Du nun aufrichtig dastehst
- nur Kopf und Haar verlegen zur Seite -
zerzauste Gedanken sorgfältig durchkämmend,
erstaunt es Dich nicht, dass auch im Meer
Versunkenes ankert, so unverdaut in all den Jahren, was in der Tiefe liegt.
Ingrid Walicht-Außel