Matthew Sweeney

Hund und Mond. Hanser, Berlin 2017, 144 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-446-25684-2; Englisch-Deutsch. Übersetzt von Jan Wagner.

Klappentext:

»Als ich die Strickleiter hinaufstieg im Dunkeln, / wußte ich nicht, wohin die Reise ging, / nur eben dies: hinauf.« Wer sich Matthew Sweeneys Gedichten anvertraut, kann nie wissen, wo er landet, in Grönland oder im Inneren eines gigantischen Rotkohls, und ob nicht gleich ein singendes Pferd oder eine gläserne Nixe um die Ecke biegt. Wohin auch immer die Strickleiter führt, Sprosse für Sprosse, Vers für Vers sind Sweeneys Gedichte von anschaulicher Handfestigkeit und sprachlicher Präzision, die noch das Unwahrscheinlichste selbstverständlich erscheinen lassen. In diesem Auswahlband zeigt Sweeney sich erneut als Lyriker von abgründigem Witz und zarter Melancholie, grandios ins Deutsche übertragen von Jan Wagner.

Eine Empfehlung der Literaturkritikerin Kristina Maidt-Zinke:

Wenn ein Hund den Mond anbellt und ihn zu beißen versucht, der Erdtrabant aber nur schweigend immer größer und heller wird, der Hund darob wütend um sich schlägt, verzweifelt heult und winselt, jedoch unbelehrbar bleibt – dann fühlen wir uns in eine skurrile Märchenwelt versetzt und zugleich auf humorvolle Art mit der conditio humana konfrontiert. Und es leuchtet ein, dass der Autor solcher Verse in der Lyrik-Szene der Gegenwart ein Außenseiter sein muss, jemand, der seinen ganz eigenen Weg verfolgt.

Matthew Sweeney, Jahrgang 1952, gilt dennoch oder gerade deshalb als einer der bedeutendsten Lyriker Irlands. Für sein poetisches Universum, das zwischen amüsanter Anschaulichkeit, irritierender Groteske und philosophischem Tiefgang oszilliert und in dem jedes Gedicht eine Geschichte erzählt, erfand er den Begriff des »alternativen Realismus«. In dem zweisprachigen Auswahlband Hund und Mond erweist sich, wie schon beim Vorgänger Rosa Milch, Sweeneys deutscher Kollege Jan Wagner als kongenialer Übersetzer.

Über den Autor:


Foto ©John Minihan

Matthew Sweeney wurde 1952 in Donegal, Irland, geboren. Er ist einer der bedeutendsten irischen Lyriker. Zuletzt erschienen die Gedichtbände Horse Music (2013) und Inquisition Lane (2015). Auf Deutsch liegt von ihm der Auswahlband Rosa Milch vor (2008), in der Übersetzung von Jan Wagner.

Pressestimmen

»Nachdenklich, witzig, unglaublich einfallsreich und makellos geschrieben – das Beste, was die zeitgenössische Lyrik zu bieten hat.« Charles Simic

»Wer in Matthew Sweeneys Gedichte eintritt, fühlt sich wie in einer Kapsel für Geschichten, die der irische Autor einer Reihe von alchemistischen Prozeduren unterzieht. Jan Wagner hat viele dieser Verse schön im Deutschen nachgeformt.« Nico Bleutge, Stuttgarter Zeitung, 06.04.2018

»Erstaunliche, skurrile, melancholische Geschichten kommen uns in mühelos fließenden Versen entgegen, ohne Reimzwang, ohne Abstraktionsehrgeiz, bildreich und bezaubernd. Sie stellen uns eine Welt vor Augen, die wir kennen, erweitert um jene Zonen, denen Schwerkraft, Logik oder Alltagsmonotonie gewöhnlich einen Riegel vorschieben.« Gisela Trahms, Tagesspiegel, 25.01.2018