Rainer Maria Rilke - "Du bist, als ob du ..."
Du bist, als ob du...
Du bist, als ob du segnen müßtest 

wen die Madonnen längst vergaßen; 

und oft, im Sommer, wenn du wüßtest: 

da kamst du von den Abendstraßen 

so klar, als ob du Kinder küßtest, 

die traurig wo am Saume saßen.


Du bist, als ob du segnen müßtest 

wen die Madonnen längst vergaßen; 

und oft, im Sommer, wenn du wüßtest: 

da kamst du von den Abendstraßen 

so klar, als ob du Kinder küßtest, 

die traurig wo am Saume saßen.


Und jeder Rhythmus, der verschwiegen 

aus stillen Wiesen aufgestiegen,

schien innig sich dir anzuschmiegen,

bis alles Winken, alles Wiegen

nur in dir war und nirgends mehr. 

Und mir geschah: die Welt verginge –

und das Vermächtnis aller Dinge,

ihr letztes Lied, bringst du mir her
aus stillen Wiesen aufgestiegen,

schien innig sich dir anzuschmiegen,

bis alles Winken, alles Wiegen

nur in dir war und nirgends mehr. 


und das Vermächtnis aller Dinge,

ihr letztes Lied, bringst du mir her

