Steffen Popp

Kookbooks, Berlin 2017, 144 Seiten, 19,90 Euro,
ISBN: 978-3937445847

Eine Empfehlung von Florian Kessler (Kulturjournalist und Lektor)

»Der Künstler«, hieß es bei Umberto Eco über das offene Kunstwerk der Moderne, »bietet dem Interpretierenden ein zu vollendendes Werk.« Steffen Popps bislang vier Gedichtbände bieten solche Werke in zunehmender Vollendung. 118 imitiert das durchdefinierte System des Periodensystems der Elemente, jedes Gedicht deutet einen elementaren Gegenstand, von »Fenster« bis zu »Glas«, von »Sonne« bis zur »Strahlung«. Aber Gegenstände und Definitionen verschwören sich gegen ihre Endgültigkeit. Sie wimmeln, schlagen Haken, bieten immer neue assoziative Seitenwege. Diese führen ebenso tief hinein in Steffen Popps von Buch zu Buch weiter ausgelebtes Privatuniversum voll wundersamer biographischer und symbolischer Motive, wie sie hinausführen aus allen starren semantischen Bezügen. Wo die Begriffe derart strikt ihre Unabschließbarkeit vorführen, da wohnt nicht weniger als echte Freiheit: »unaussprechlich, lesbar wie / Vogelflug, Menschenspur, Ozeangrün / eines Meeres, wo du bist: jener Vogel / jener Mensch und eben – jenes Meer«.

Über den Autor:

Steffen Popp, geboren 1978 in Greifswald, lebt in Berlin. Studium der Philosophie und Germanistik in Dresden, Leipzig und Berlin. Er veröffentlichte die Gedichtbände „Wie Alpen“ kookbooks 2004, „Kolonie Zur Sonne“, kookbooks 2008, und „Dickicht mit Reden und Augen“, kookbooks 2013, sowie den Roman „Ohrenberg oder der Weg dorthin“, kookbooks 2006, der für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Übersetzer der US-amerikanischen Dichter Christian Hawkey („Reisen in Ziegengeschwindigkeit“) und Ben Lerner („Die Lichtenbergfiguren“, „Mean Free Path“), Initiator und Mitherausgeber der kollaborativen Poetik „Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs“, Merve 2011, und Herausgeber von „Joseph Beuys: Mysterien für alle“, Suhrkamp 2015. Letzte Auszeichnungen: Peter Huchel-Preis 2014, Romstipendium der Villa Massimo 2015, Mondseeer Lyrikpreis 2015. Zuletzt war er mit seinem Gedichtband "118" in der Kategorie Belletristik für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.